FriedensWeg – Atomwaffen weg! Zweite Etappe am 26. September 2026 von Köln-Rodenkirchen nach Wesseling
Wie gelingt es gegenwärtig Menschen auf die Straße zu bringen dafür, dass Deutschland atomwaffenfrei wird, indem Deutschland dem Atomwaffenverbotsvertrag beitritt?
Erfahrungen sammeln wir dazu mit der Aktion „FriedensWeg – Atomwaffen weg!“
Eine gute Woche zuvor wurden in Wesseling Handzettel verteilt, die auf diesen FriedensWeg hinweisen. Anders als auf dem Markt in Köln-Rodenkirchen bei der Vorbereitung der Ersten Etappe wurden diese in Wesseling wohlwollend aufgenommen, es ergaben sich kleinere Gespräche und die Resonanz war durchgehend positiv. Das ließ hoffen.
Zum Tag selbst versammelte sich eine kleine Crew friedensbewegter Menschen aus Köln und Dortmund. So herzlich, wie wir bei der Ersten Etappe von WiSü in Rodenkirchen empfangen wurden, so herzlich wurden wir dort jetzt verabschiedet.
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Auftakt zum FriedensWeg - Atomwaffen weg! in |
Der Weg führte zur Bundesstraße B 9, die entlang des Shell-Industrieparks zum Wesselinger Hafen an Industrieanlagen vorbei zur Innenstadt von Wesseling läuft. Auf der ersten Station referierte Stephan Räder, Greenpeace Friedens-AG Köln, über den Zusammenhang von Industrie und Atomwaffen.
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| An der B 9 nach Wesseling |
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| Stephan Räder, Greenpeace Köln |
Die Zweite Rast in Hafennähe galt persönlichen Absprachen u. a. für die Fortsetzung des FriedensWeges – Atomwaffen weg. Am Rathaus fand die Abschlussveranstaltung statt. Hier sang Markus Fröhlich für uns auf und der Widerstandchor „Grembi bleibt“, der bereits bei der Ersten Etappe im Gremberger Wäldchen gesungen hatte. Wesselinger Passanten stellten sich nicht extra ein.
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| Markus Fröhlich in Wesseling |
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| Der Grembi-Chor singt! |
Fazit: Die Gespräche während des FriedensWeges waren erneut wunderbar, ermutigend und erfrischend. Die Resonanz aus der übrigen Bevölkerung ließ zu Wünschen übrig…
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Großindustrie und Atomwaffen
Rede
von Stephan Räder, Greenpeace Friedens-AG Köln
für den 26. September 2026, FriedensWeg – Atomwaffen weg! Zweite Etappe
Wenn wir an Atomwaffen denken, haben wir oft apokalyptische Bilder vor Augen:
gigantische Pilzwolken, verbrannte Erde, Sirenen und die roten Knöpfe in den
Schaltzentralen der Weltpolitik. Wir sehen Nuklearwaffen gerne als reine
Instrumente der Geopolitik, als Spielsteine in den Händen von Staatschefs und
Militärs.
Doch das greift zu kurz.
Keine Atomwaffe existiert bloß als politischer Gedanke. Jede Bombe, jeder
Sprengkopf und jedes Trägersystem sind vor allem Produkte menschlicher Arbeit.
Sie entstehen durch komplexe Lieferketten, Fabriken, Präzisionsmaschinen,
Rohstoffabbau und hochentwickelte Ingenieurskunst.
Hinter jeder nuklearen Bedrohung steht ein gigantischer industrieller Apparat.
Atomwaffen und Industrie sind seit ihrem ersten Tag untrennbar miteinander
verbunden – und genau über diesen Zusammenhang möchte ich heute sprechen.
*
Erinnern wir uns an den Beginn des Atomzeitalters: Das Manhattan-Projekt in den
1940er-Jahren war kein kleines Physiker-Experiment in einer Werkstatt. Es war
eines der größten industriellen Großprojekte in der Geschichte der Menschheit.
Damals arbeiteten bis zu 150.000 Menschen direkt oder indirekt an diesem
Vorhaben. Zwischen 1942 und 1945 beliefen sich die Kosten auf umgerechnet rund
33 Milliarden US-Dollar.
Dafür entstanden geheime Industriestädte wie Oak Ridge und Hanford. Oak Ridge
zum Beispiel war bis 1949 auf keiner Landkarte verzeichnet. Die
Wissenschaftler, Arbeiter und ihre Familien durften weder über ihre Arbeit noch
über den Wohnort mit Außenstehenden sprechen. Hunderttausende Arbeiter,
Zulieferer, Chemiewerke und Maschinenbauer waren beteiligt – oft ohne zu
wissen, woran sie tatsächlich arbeiteten. Die Bombe entstand nicht nur im Geist
von Robert Oppenheimer; sie wurde von der amerikanischen Schwer- und
Chemieindustrie gebaut.
Schon US-Präsident Dwight D. Eisenhower warnte 1961 bei seinem Abschied vor den
Gefahren des „militärisch-industriellen Komplexes“. Er erkannte früh: Wird die
Rüstungsindustrie zu einem festen Wirtschaftsfaktor, entwickelt sie ein
Eigenleben. Waffen werden dann nicht mehr nur produziert, weil eine Bedrohung
besteht, sondern weil Arbeitsplätze, Bilanzen und Forschungsbudgets davon
abhängen.
*
Heute
geht es längst nicht mehr nur um Uranminen und klassische Fabriken. Die
nukleare Rüstung im 21. Jahrhundert ist eine Hightech-Industrie:
• Ohne hochmoderne Mikroelektronik und Halbleiter trifft keine
Interkontinentalrakete ihr Ziel.
• Viele Technologien, die wir für zivile Zwecke entwickeln – von künstlicher
Intelligenz über Raumfahrt bis zu Präzisionswerkzeugen – lassen sich auch
militärisch nutzen. Die Grenze zwischen ziviler und militärischer Industrie
verschwimmt immer mehr.
• Weltweit fließen derzeit hunderte Milliarden Euro in die Modernisierung
nuklearer Arsenale. Dieses Geld landet direkt bei Konzernen, Zulieferern und
Ingenieurbüros des militärisch-industriellen Komplexes.
Die Industrie ist der Motor, der das nukleare Wettrüsten antreibt. Ohne
industrielle Fertigungskompetenz gibt es keine Abschreckung – aber ohne
kritische Reflexion wird die Industrie zum Handlanger einer möglichen
Selbstauslöschung.
*
Das führt uns zur entscheidenden Frage unserer Zeit: Welche Verantwortung trägt
die Industrie?
Kann sich ein Unternehmen darauf zurückziehen, nur „technischer Dienstleister“
zu sein? Reicht es zu sagen: „Wir liefern nur Präzisionsbauteile, was die
Politik damit macht, geht uns nichts an“?
Nein. Wer Bauteile herstellt, mit denen im Ernstfall Millionen Menschenleben
vernichtet werden können, trägt eine ethische Mitverantwortung.
Gleichzeitig erleben wir eine Welt, in der geopolitische Spannungen zunehmen.
Viele fordern gerade jetzt mehr industrielle Wehrhaftigkeit und Abschreckung,
um Sicherheit und Freiheit zu schützen.
Ist die Rüstungsindustrie tatsächlich ein Garant für Abschreckung und Frieden?
Oder erzeugen industrielle Gewinninteressen und ständige Modernisierungswellen
erst die Unsicherheit, vor der wir uns fürchten?
*
Wenn Rüstung ein industrieller Prozess ist, dann muss auch Abrüstung ein
industrialisierter Prozess werden. Nukleare Abrüstung ist kein romantischer
Wunschtraum, der allein durch Appelle Wirklichkeit wird. Sie erfordert
handfeste, methodische Voraussetzungen:
1. Abrüstung scheitert fast immer am Misstrauen. Man kann nukleare Sprengköpfe
nicht einfach per Handschlag abbauen. Dafür braucht es lückenlose
Kontrollmechanismen, Satellitenüberwachung, Vor-Ort-Inspektionen und
unabhängige Organisationen wie die Internationale Atomenergie-Organisation
(IAEO). Vertrauen entsteht erst dort, wo Kontrolle verlässlich funktioniert.
2. Einen nuklearen Sprengkopf unschädlich zu machen, ist hochkomplexe
Ingenieursarbeit. Abrüstung heißt, dieselbe industrielle Präzision für den
Rückbau einzusetzen, die zuvor für den Aufbau genutzt wurde. Das
Megatons-to-Megawatts-Programm hat dies zwischen 1993 und 2013 realisiert. Aus
russischen Atomsprengköpfen wurden damals Brennstäbe für amerikanische
Kernkraftwerke. Die USA zahlten dafür 17 Milliarden US-Dollar.
3. Abrüstung braucht klare völkerrechtliche Leitplanken. Sicherheit darf nicht
länger als Nullsummenspiel verstanden werden, bei dem die Aufrüstung des einen
zwingend die Unsicherheit des anderen bedeutet.
4. Wirtschaftliche Alternativen schaffen: Ganze Regionen und Industriezweige
hängen heute an nuklearen Wartungs- und Modernisierungsbudgets. Solange
Ingenieure, Zulieferer und Standorte befürchten müssen, mit dem Ende eines
Rüstungsprogramms ihre wirtschaftliche Existenz zu verlieren, entsteht eine
unsichtbare Lobby gegen den Frieden. Eine glaubwürdige Abrüstungsstrategie
braucht deshalb Konversionspläne – zivile Zukunftsprojekte, in die
hochspezialisiertes Ingenieurswissen und Fertigungskapazitäten einfließen
können.
*
Damit komme ich zum Schluss meiner Rede: Wir müssen die Technologie als Dienst
am Leben begreifen.
Die Industrie, die Sprengköpfe wartet und Hyperschallraketen baut, besitzt auch
das Know-how, um die Energiewende zu bewältigen, die Raumfahrt voranzubringen
und medizinische Wunder zu ermöglichen.
Technologie ist niemals neutral – sie spiegelt den Willen derer wider, die sie
in Auftrag geben und herstellen.
Lasst uns den Zusammenhang zwischen Industrie und Atomwaffen nicht länger als
rein militärisches Geheimnis abtun. Schauen wir genau hin. Diskutieren wir über
Rüstungskontrolle, über ethische Lieferketten und die Frage, wie wir den
Erfindergeist unserer Ingenieure und die Kraft unserer Wirtschaft nutzen
wollen:
Als Werkzeug zur Zerstörung – oder als Fundament für eine sichere und
nachhaltige Zukunft.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.





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