Montag, 3. August 2015

Andreas Hämer begrüßte uns heute zur Morgenandacht:

„Ich begrüße euch alle hier diesem Ort geballter Destruktivität,
an diesem Ort der Lagerung von total vernichtenden Waffen,
an diesem Ort, wo ahnungslos und ohne Bewusstsein mit dem Feuer gespielt wird.

Wir sind hier zusammen im Namen des Gottes, der das Leben schenkt,
im Namen Jesu, der Frieden stiftet,
und des heiligen Geistes, der weltweit all diejenigen verbindet, die sich einsetzen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.
Wir sind hier nur wenige, aber das soll uns nicht entmutigen, wir wissen wozu wir wachen und mahnen. Nicht immer sind die, die in der Minderheit sind, im Unrecht.

Wir wachen und mahnen: Europa hatte zweimal Krieg, der dritte wird der letzte sein.“

Thema war der Brudermord von Kain an Abel (s. 1. Mose Kapitel 4, Vers 3ff).
„Kain tötete seinen Bruder ohne dass es ihn etwas kostete. Caesar brauchte 3 Euro für einen Toten, Napoleon 10.000 und im Ersten Weltkrieg waren für einen Toten 85.000 Euro nötig; der Zweite Weltkrieg benötigte 200.000€ pro Toten.“

Photo: Holger Haupt, Cochem



Wir sangen:

im regenbogen

ein choral wider (un)fromme resignation
„so war’s, seit kain den abel
sein eignen bruder schlug …”
„so war’s, seitdem in babel
gott sprach: es ist genug! …”
„die menschen sind erst klug
posthum, seit noahs zeiten …”
„es gibt seit ewigkeiten
nichts als nur lug und trug …”
oh müde redensarten
oh hoffnungslosigkeit!
ihr kennt nur haus und garten
seid sonst zu nichts bereit.
ihr könnt gut leben noch
mit krieg und mit dem bösen
werft alles, was gewesen
ins selbe große loch.
wie weit wir auch entfernen
uns von dem ursprungsort
die menschheit kann doch lernen
und sich entwickeln fort.
muss alles weitergehn
wie eh und je und immer?
im regenbogen schimmern
sechs hoffnungsfarben schön.
(Melodie: Zeug ein zu deinen Toren;
Text: Andreas Hämer)


Zum Ende der Andacht beteten wir das Vaterunser in der folgenden Paraphrase:

Vater – oder Mutter
unser und der anderen
du Himmel über ‚Gerechten’ und ‚Ungerechten’,
du Regenbogen über ‚Bösen’ und ‚Guten’
– Meer der Liebe!
Geheiligt werde dein Name,
bewahrt vor Missbrauch,
gewagt in Auseinandersetzung,
bewahrheitet in Solidarität!
Dein Reich komme,
das Unmögliche werde möglich:
die Überwindung von Hass,Feindschaft und Gier
Terror, Krieg und Angst
die Versöhnung in Israel / Palästina
Frieden auf Erden!
Dein Wille geschehe:
dem Recht schaffe Raum,
unsere Achtsamkeit wachse,
das Totschweigen ende –
wie im Himmel, so auf Erden!
Unser tägliches Brot gib uns heute –
uns und den anderen:
den Kindern, die arbeiten müssen
und in den Krieg geschickt werden,
den Frauen, die ausgenutzt werden
und die sich selbst verkaufen,
der hungernden Bevölkerung in allen Erdteilen
und vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben haben unseren Schuldnern,
erlass uns die Schulden, wie auch wir erlassen unseren Schuldnern.
3,3 Billionen Dollar lass nicht länger wahr sein,
und all das andere auch nicht
und führe uns nicht in die Versuchung,
gut zu leben mit dem Bösen,
nichts zu fühlen,
nichts zu sehen, nichts zu hören, nichts zu sagen,
nichts zu glauben, nichts zu hoffen, nichts zu tun,
sondern…
erlöse uns von dem Bösen,
von dem, was uns angetan wird
und dem, was wir anderen antun,
von den verkehrten Mustern in uns und um uns.
vom Gefühl der Ohnmacht und dem Wahn der Allmacht –
erlöse uns und die Welt!
Denn dein ist das Reich – diese Erde
und die Kraft – die unerschöpflichen Potenziale der Liebe
und die Herrlichkeit – Gelingen und Scheitern
jetzt und in alle Zukunft.
Amen.
(Text: Andreas Hämer)

Im Rahmen der Andacht verlasen wir Teile der jüngsten Pressemitteilung von Renke Brahms, den Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland „Atomwaffen müssen endlich geächtet werden“. Darin heißt es: „'Aus der Sicht evangelischer Friedensethik kann die Drohung mit Nuklearwaffen heute nicht mehr als Mittel legitimer Selbstverteidigung betrachtet werden... Es muss endlich Schluss damit sein, dass Atomwaffen weiterhin fester Bestandteil der Militärstrategie von Staaten oder Militärbündnissen ist'“ und spricht auch die in Büchel lagernden Atomwaffen der Vereinigten Staaten von Amerika an. „Der EKD-Friedensbeauftragte dankte... ausdrücklich all den Menschen, die sich seit Jahren für einen Abzug dieser Waffen aus Deutschland und deren weltweiten Ächtung einsetzen. 'Es ist gut, dass es immer wieder Menschen gibt, die nicht nachlassen, hier Druck auf die politisch Verantwortlichen auszuüben, damit es zu einer wirklichen atomaren Abrüstung kommt', unterstreicht Renke Brahms und betont, '70 Jahre nach Hiroshima ist es höchste Zeit, dass diese schrecklichen Waffen endlich geächtet werden.'"


Nach den klaren Worten des EKD-Ratsvorsitzenden und des Friedensbeauftragten der EKD frage ich mich:

- Wie leben Soldaten, die mit Atomwaffen zu tun haben und sich als Christen verstehen, damit, dass die EKD so deutlich Position bezieht?

- Was sagt die Militärseelsorge dazu?

- Welchen ethischen Rat kann die Militärseelsorge den Soldaten geben, die in Büchel mit Verantwortung dafür tragen, dass die Atomwaffen der Vereinigten Staaten von Amerika einsatzbereit gehalten werden?

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