Sonntag, 2. August 2015

Im Zug von Kyoto nach Hiroshima



Der Shinkansen braust in Richtung Hiroshima. Hinter mir liegen drei Tage volles Programm mit dem Global Network Against Weapons and Nuclear Power in Space. An zwei Tagen haben wir Seminare in den Universitäten gemacht.
Besuch im Friedensmuseum
http://japanfocus.org/data/7.kyotomuseum.jpgWir haben das Friedensmuseum in der Ritsumeikan Universität besucht. Im Eingangsbereich im Erdgeschoss sind zwei Statuen. Die eine zeigt ein unbekanntes Mädchen, das im Krieg gestorben ist, die andere einen jungen Mann der als Soldat in den Krieg ziehen musste und wütend ist. Zwei Wandgemälde, jeweils einen Phönix, der eine blickt zurück, der andere in die Zukunft, sind die künstlerische Wegweisung. Das Friedensmuseum zeigt im Untergeschoss die Gräuel der Kriege, des 15 jährigen Krieges, des Zweiten Weltkrieges und der Kriege in der Neuzeit. Im Obergeschoss geht es um friedensstiftende Aktivitäten. Die Besucher sollen verstehen was Krieg ist und angeregt werden, was sie für den Frieden tun können.Es bedrückte mich sehr die Kriegsbilder von Verletzen und Toten zu sehen. Hingewiesen wird auch auf die koreanischen „Freudenmädchen“ für die japanische Armee. Die Führerin weist darauf hin, dass diese sexuelle Ausbeutung, bis heute weiterläuft. Der Film von der Bombardierung Hiroshimas läuft als Endlosschleife.
Die Ausstellung verweist auf die pazifistische Ausrichtung der japanischen Verfassung nach dem Zweiten Weltkrieg. Das führt zur aktuellen Diskussion um die Aufweichung des Artikels 9 in der japanischen Verfassung durch die derzeitige Regierung von Abe. Die Führerin sagt: „Wir machen das Museum, dass die Menschen aus der Geschichte lernen. Die derzeitige Regierung tut das nicht.“

Seminare an den Universitäten in Kyoto
In den Seminaren in den Universtäten ging es um die Militarisierung des Weltraums. Seit dem Golfkrieg in den 90er Jahren, sind die Kriege mehr und mehr von Weltraumtechnologie gesteuert. Ein Schwerpunkt war der Aufbau der US Raketenwehr, die in immer weiter voranschreitet und die keinen defensiven sondern einen aggressiven Charakter besitzt.

Eine Geschichte, die Bruce erzählte, überraschte und berührte mich. Das Global Network schaltete in der Zeitung für US-Soldaten „Stars and Stripes“ eine Anzeige gegen Drohneneinsätze und rief die Drohnenpiloten auf, die Befehle zu verweigern. Er berichtete von einem Anruf den er erhielt von einem Soldaten, der selbst Drohnen steuerte; dieser habe erzählt, dass es unter ihnen viele gäbe, die wie er durch das ferngesteuerte Töten traumatisiert würden und sich krankmelden.


Solidaritätsfahrt
Nach einer eintägigen Bustour nach Ukawa machten wir einen Soldiaritätsbesuch zur neu errichteten US Radarstation der Kyogamiski Communication Site. Sie gehört zum Netz der US- Raketenabwehr. Wir trafen dort die Gruppe „Besorgte Bürger über den Bau der US-Militärbasis in Ukawa“. Ihre  Sorgen betreffen einerseits Strahlenschäden durch die Station, Lärmbelästigung und Unfälle durch US-Soldaten, die das Linksfahren nicht kennen - andererseits der Widerspruch der Station zur japanischen Verfassung, durch den aggressiven Charakter der Raketenabwehr. Eine alte Japanerin hat sich bis heute geweigert ihr Land zu verkaufen. So gibt es eine Friedenswiese, direkt bei der Station.
Beim letzten Halt vor Hiroshima steigen zwei Japaner ein, die einen Anhänger haben: Erhaltet Artikel 9. Ich kann ihn zwar nicht lesen, aber kenne ihn schon aus Tokyo.
Bald wird die Fahrt zu Ende gehen. Der Shinkansen bringt mich von Kyoto, die eigentlich Ziel der ersten Atombombe werden sollte, nach Hiroshima, auf das die erste Atombombe geworfen wurde. Eine Wolkendecke am 6. August hatte Kyoto dieses Schicksal erspart.
Der Magen knurrt, denn ich habe mit dem Fasten begonnen.

Die Radarstation bei Ukawa

Übergabe einer Resolution an das Verbindungsbüro zur US-Armee

Geschenk für die Gruppe besorgter Bürger: Atomwaffen und Raktenabwehr sind zwei Seiten einer Medallie.                    Wir treten an verschiedenen Orten für die gleich Sache ein.

Protest auf der Friedenswiese

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