Dienstag, 4. August 2015

In Hiroshima - Im Vorfeld des Gedenktages

Ich steige aus dem Shinkansen aus. Mein Handy klingelt. Naoko fragt aus welchem Wagen ich aussteige.
Mit einem Wiedersehen beginnt meine Ankunft in Hiroshima. Naoko ist Übersetzerin für die Stadt Hiroshima. Wir hatten dadurch per E-Mail viel Kontakt, als ich 2003 anfing die Mayors for Peace zu unterstützen. Als sie heiratete kam sie mit ihrem Mann zur Hochzeitreise nach Deutschland, besuchte Mutlangen, Heidelberg und Darmstadt.
Das Thema Frieden ist ihr ein perönliches Anliegen. Inzwischen hat sie einen dreijährigen Sohn. Wir verbringen einige Stunden gemeinsam.

Danach werde ich von Yuko abgeholt. Bei ihr und ihrer Freundin Mitoshi werde ich während meines Aufenthaltes in Hiroshima abwechselnd wohnen.  Zu Hause ist der Tisch zum Abendessen gedeckt, ihr Mann und ihre Tochter erwarten uns. Yuko emfpielt mir, einen salzigen Lycheesaft, der wäre gut  wegen des vielen Schwitzens. Er ist köstlich.  Ich muss mich schon beherrschen nicht mitzuessen, denn ich hatte in Kyoto eine japanische Gerichte kennengelernt, die mir schmeckten. Wir unterhalten uns angeregt, über Deutschland, Japan, die Friedensbewegung.

Die folgenden zwei Tage bin ich auf der Konferenz von Gensuikyo (Japan Council against A & H Bombs). Überlebende berichten von ihren Erlebnissen und ihrem Leiden, Friedensbewegte aus aller Welt, stellen ihre Aktionen vor, Wege zur Abrüstung werden diskutiert.

In einem Arbeitskreis werde ich aufgefordert, die Fastenkampagne vorzustellen.
Ich erhalte viel Applaus.

In einer Konferenzpause nehme ich mir Zeit durch den Friedenspark zu gehen. Hunderte von Pfadfindern tummeln sich hier. Ein weltweites Pfadfindertreffen für den Frieden findet gerade in Hiroshima statt. Schüler sprechen mich an, ob ich für die Abschaffung der Atomwaffen unterschreibe. Zwischen den japanischen Schriftzeichen kann ich nur 2020 erkennen. Es geht also um die Kampagne der Mayors for Peace.
Ich besuche auch das Friedensmuseum. Wärter bitten wegen der vielen Menschen immer wieder weiterzugehen. Ich kenne zwar die Bilder, aber das Museum vor Ort verstärkt die Emotionen, den Schatten zu sehen, der wirklich mal ein Mensch war oder Kraniche, die von Sadako gefaltet wurden.
Am Ausgang ein Liste mit den berühmten Personen die das Museum besucht haben. Ich finde die Unterschrift von Helmut Schimdt.
Es soll nie mehr passieren, schrieb er 1995 ins Gästebuch des Museums. 15 Jahre zuvor hat er sich für den Doppelbeschlss und die Stationierung der Perhing II stark gemacht. Ich frage mich, was sind solche Worte wert?

Nach dem Museumsbesuch treffe ich mich mit Mitoshi. Sie nimmt mich mit in ihre "Schule". Sie betreut Kinder. Wir üben ein bischen Englsich miteinander. Die Kinder bringen mir das Kranichfalten bei. Ich lerne meinen Vornamen auf Japanisch zu schreiben. Es tut gut auf diese Weise auszuspannen.
Als wir nach Hause kommen, läuft im Fernsehen "Imagine
" von John Lennon. Eine Uhr die auf 8:15 steht ist zu sehen. Yoko Ono gibt ein Interview. Die Zeilen "I hope some day you will join us" berührren mich: Wann werden die Regierenden den Wunsch nach Abrüstung endlich erfüllen?







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